
Das Interesse an der Selbständigkeit ist gross: Einige wagen sogar den Sprung, aber nur die Wenigsten sind auch nachhaltig erfolgreich. Die Lust ist zwar eine essentielle Antriebsfeder, doch reicht sie allein natürlich nicht aus. Das steckt mehr dahinter.
Das bekannte Kursprogramm «Lust auf eine eigene Firma» ist 1995 an der ETH Zürich entstanden und wird seit 2000 erfolgreich durch die Business Tools weitergeführt. Neben dem Ziel der reinen Wissensvermittlung soll möglichst vielen Interessierten die Option «Selbständigkeit» aufgezeigt werden. Neben der kompakten und praxisbezogenen Wissensvermittlung will Business Tools sensibilisieren, motivierend wirken und für das Unternehmertum begeistern. Seit Beginn der Kurse haben schon mehr als 14'000 Personen teilgenommen und über 600 Firmen sind von ehemaligen Teilnehmenden gegründet worden. Anlässlich des zehn-jährigen Jubiläums hat die Business Tools ihre ehemaligen Teilnehmenden zu ihrer Selbständigkeit befragt und wollte auch wissen, welche unabdingbaren Eigenschaften ein angehender Jungunternehmende vorweisen sollte, um die Erfolgschancen zu erhöhen, damit die Lust auf eine eigene Firma nicht vergeht!
Gewichtungsrückgänge in den letzten fünf Jahren
Interessanterweise gewichteten die ehemaligen Teilnehmenden das Coaching als unwichtigste Voraussetzung für ein Jungunternehmerdasein. Dies sah bei einer früheren Umfrage mit derselben Grundgesamtheit vor fünf Jahren noch anders aus: Das Coaching lag damals noch an siebter Stelle (von total 34 Rängen). Der vereinfachte Zugang zu umfassenden unternehmerischen Know-how-Portalen via Internet, die steigende Bekanntheit von Anlaufstellen für Jungunternehmende und eine Vielzahl an Literaturmöglichkeiten haben bestimmt zu einem Anstieg der autodidaktischen Bestrebungen von angehenden Jungunternehmenden geführt. Im Zeitalter der Digitalisierung, wo ganze Firmen per Internet gegründet und geführt werden, entsteht der Bedarf an Coaching nach wie vor, jedoch wohl eher bei individuellen Problemstellungen und spezifischen Aufgabenstellungen; eben wenn man alleine nicht mehr weiter kommt. Auf dem drittletzten Rang zeigen sich Änderungen in den sozialen Lebensgewohnheiten beim Rückhalt der Familie: Laut einem Bericht vom Bundesamt für Statistik im März dieses Jahres wurde eine drastische Veränderung der Struktur der privaten Haushalte im Kt. Zürich beobachtet. Eines der Hauptmerkmale dieses strukturellen Wandels liegt im Anstieg der Zahl der Einpersonenhaushalte um das Zweieinhalbfache, die Zunahme der Zahl der Paarhaushalte ohne Kinder um mehr als die Hälfte sowie der zahlenmässige Rückgang der Paare mit Kinder um 20%. Als Folge trägt dann der Bericht auch gleich den Titel Individualisierung und Kinderlosigkeit. So ist es denn auch kaum verwunderlich, dass die Wichtigkeit des Familienrückhaltes zurückgegangen ist. Auch das Netzwerk hat stark an Bedeutung verloren und ganze neun Ränge eingebüsst. Interessanterweise aber nur bei den männlichen Befragten. Weibliche Firmengründende stufen das Netzwerk stärker als vor fünf Jahren als am Zweitwichtigsten ein. Dies ist unter anderem auch auf die meist anfangs neunziger Jahre gegründeten Frauennetzwerke zurück zu führen, welche Frauen den Einstieg ins Jungunternehmer(innen)tum auch psychologisch erleichtern und sich inzwischen auf den Netzwerkmarkt gut etabliert haben. Laut dem Bundesamt für Statistik liegt der Frauenanteil an den Selbständigen bei rund 33%; dies entspricht zufälligerweise auch dem durchschnittlichen Frauenanteil an unseren Kursen in den letzten fünf Jahren, Tendenz steigend.
Die fünf wichtigsten Voraussetzungen für Jungunternehmende
Bei Betrachtung der top-five der wichtigsten Voraussetzungen hat sich in den letzten fünf Jahren nicht viel verändert. Das Schlusslicht dieser Fünfergruppe bildet die Flexibilität: Eine unabdingbare Eigenschaft, welche Jungunternehmen(de) nur schon deswegen aufweisen müssen, um sich überhaupt zwischen den grossen Firmen durchsetzen zu können. Der Sprung in die Selbständigkeit ist ein drastischer Einschnitt ins berufliche und private Leben und bringt einige essentielle Veränderungen mit sich, da erfordert es neben einer guten Geschäftsidee, einer seriösen Planung und dem erforderlichen Kapital auch einer gehörigen Portion Mut und Risikobereitschaft gemäss den Befragten; um so mehr, als dass man auch mit einem worst case-Szenario rechnen muss.
Einige Statistiken wie bsp. von der Creditreform zeigen, dass 42% der Konkurs gegangenen Unternehmen weniger als fünf und dass zwei Drittel weniger als zehn Jahre alt waren. Doch davon darf man sich nicht abschrecken lassen: Negative Gesamtstatistiken zum Jungunternehmertum können auch positiv genutzt werden z.B. als Antrieb für das Verfassen eines Businessplans und zwar unabhängig von einer Kapitalgebersuche, indem man seine Geschäftsidee zuerst durchspielt und so etwas mehr Sicherheit erlangen kann. Genau so wichtig ist dann auch die eigentliche Geschäftsidee. Jene sollte sich aus der Masse klar herausheben (sei es durch Innovation oder Einzigartigkeit), ein echtes Kundenbedürfnis erfüllen, einen attraktiven Markt finden und sich wirtschaftlich tatsächlich vermarkten lassen können. Noch evidenter schätzen unsere Befragte das Selbstvertrauen als zweitwichtigste Vorraussetzung ein. Das Vertrauen in die eigenen ?Unternehmerqualitäten? und der Wille zum Erfolg sind mitentscheidend, vor allem bei der Vermarktung.
Mit der Willensumsetzung in Zusammenhang steht auch das Durchhaltevermögen, welches als wichtigste Voraussetzung gewichtet wurde. Die unabdingbare Fähigkeit, mit auf dem langen Weg zur Zielerreichung auftretenden Hindernissen angemessen umzugehen, sowie mit dem Phänomen der 'Entmutigung' fertig zu werden, ist entscheidend. Zusätzlich müssen Jungunternehmende für ihre soziale Sicherheit selbst aufkommen und bis eine Firma auf dem Markt mehr oder weniger bekannt ist, vergehen einige Jahre voller Einsatz. Richtig etabliert ist ein Unternehmen erst nach zirka sechs Jahren. Eine Zeit voller ups and downs. Wer aber diese entscheidenden ersten Jahre erfolgreich übersteht, hat es erst einmal geschafft! Das befriedigende Gefühl der Selbstverwirklichung durch den Erfolg der eigenen Firma ist der Lohn. Doch die Lust auf mehr wird bestimmt nicht lange auf sich warten lassen, denn Grenzen gibt es keine, ausser jene, die man sich selber stecken will.