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Die weibliche Lust am Unternehmertum

Laut Bundesamt für Statistik entsprechen jeder selbständig erwerbenden Frau zwei selbständig erwerbende Männer (BFS, 1999a).

Auch beim bekannten Firmengründungsprogramm Lust auf eine eigene Firma! gestaltete sich die Geschlechterverteilung der Kursteilnehmenden in den letzten fünf Jahren gleich. Im Rahmen des Kursprogramms Lust auf eine eigene Firma! wird an ein- oder zweitägigen Kursmodulen unternehmerisches Know-how praxisbezogen und kompakt an der ETH weitervermittelt und dabei wird immer darauf geachtet, dass vor allem auch Unternehmerinnen zu Wort kommen und über ihre Erfahrungen in der Selbständigkeit berichten.

Die Business Tools wollte wissen, wie es den Kursbesucher/innen seit ihrem Kursbesuch ergangen ist und wo der Schuh bei der eigenen Firmengründung am meisten drückte und hat hierbei im Herbst 2005 eine Umfrage lanciert. Der vorliegende Artikels spiegelt vor allem die Antworten der weiblichen Firmengründunderinnen wieder.

Wichtige Eigenschaften für Jungunternehmerinnen
Das Durchhaltevermögen wird unverändert seit zehn Jahren als die wichtigste Eigenschaft für Firmengründerinnen erachtet. Es ist allgemein bekannt, dass von der Startphase bis zur Marktetablierung und Amortisation der Investitionen mit vier bis sechs Jahren zu rechnen ist; da ist es gut nachvollziehbar, dass sich das Durchhaltevermögen in finanzieller und/oder charakteristischen Hinsicht als unabdingbare Eigenschaft auszeichnet. Erfreulicherweise ist auch das Bewusstsein für das Networking markant angestiegen. Dies wurde bestimmt auch durch die vielen mittlerweile etablierten Frauennetzwerke begünstigt, die weibliche Firmengründerinnen auch psychologisch unterstützen. Als drittwichtigster Faktor wird die eigentliche Idee für Firmengründerinnen erachtet, gefolgt vom Konzept. Erst an fünfter Stelle liegt das Selbstvertrauen, was auch mit dem oft schon vorhandenen Selbstvertrauen in die unternehmerischen Fähigkeiten der Frauen zusammenhängt. Der Rückhalt der Familie und das Coaching bilden die beiden Schlusslichter und sind weitere Indizien für das neue Unabhängigkeitsbewusstsein der Frauen.


Hauptprobleme in der Gründungsphase
Erwarteterweise ist die Finanzierung immer noch eines der Hauptprobleme in der Gründungsphase und der damit verbundenen Suche nach geeigneten Kapitalgebenden. Und die zweite Hürde aus der Sicht der Frauen liegt darin, realistisch zu bleiben: Beim Sprung in die Selbständigkeit bedarf es bei den angehenden Jungunternehmerinnen plötzlich der Befähigung, als Generalistin agieren zu können und so erstaunt es kaum, dass es einigen Befragten in der ersten Phase schwierig erscheint, realistisch zu bleiben und den Überblick zu behalten. Am wenigsten Probleme bereitete die Wahl der Rechtsform; auch dieses Resutat war zu erwarten, kann man doch heute eine Vielzahl von Informationen allein dazu im Internet herunterladen und zudem starten Frauen öfters als Einzelfirma, ohne sich im Handelsregister einzutragen.

Hauptprobleme in der Startphase
Da der Gründung der eigenen Firma meist ein Angestelltenverhältnis vorangeht, bereitet die Umstellung von einem geregelten Einkommen zu Einkommensschwankungen bei den weiblichen Entrepreneurships am meisten Mühe. Dies umso mehr, als die Fixkosten bei der Selbständigkeit mindestens gleichbleibend und nach der Gründung meist noch steigende Tendenzen aufweisen. Sind die ersten Schritte getan, wartet bereits ein weiteres grosses Problem auf die Jungunternehmerinnen: Die überlebenswichtige Kundenakquisition! Der Aufwand für die Suche nach neuen Kundinnen und Kunden wird anfangs gerne unterschätzt. Das Akquirieren, angefangen bei der ersten Marketingplanung über die Umsetzung bis hin zur ersten Auftragsabwicklung, kostet meistens viel mehr Zeit und Geld als angenommen. Ein weiteres typisches Merkmal des Jungunternehmerinnendaseins ist die stärkere Vermischung von Geschäft mit privaten Lebensbereichen; auch das wird regelmässig unterschätzt. Erstaunlicherweise bereitet die Buchhaltung in dieser Phase am wenigsten Probleme, das könnte aber auch daran liegen, dass die meisten Befragten Ein-Personen-Firmen gegründet haben, allenfalls mit einer einfachen Kassenbuchhaltung beginnen und sich erste Schwierigkeiten allenfalls erst später bsp. mit der Abklärung der Mehrwertsteuerpflicht abzeichnen.


Gründerinnenboom?
Immer mehr Frauen wagen den Sprung in die Selbständigkeit, dies belegen auch unsere internen Teilnehmerinnenzahlen. Und es sollen noch mehr werden: Spezielle Förderprogramme für Frauen und auch frauenspezifische Studien (u.a. Projekt PotentiELLE, SECO) decken immer mehr notwendiges Wissen über die Unternehmerinnen in der Schweiz auf. Der Appell für geschlechterspezifische Datenerhebungen wird immer lauter. Einerseits damit in der Jungunternehmerinnenförderung noch nachhaltigere Ergebnisse erzielt werden kann und damit andererseits die ökonomische Entwicklung noch stärker durch weibliche Impulse bereichert wird. Das Potential ist noch lange nicht ausgeschöpft, doch wir sind auf dem richtigen Weg, damit auch aus volkswirtschaftlicher Sicht die Wichtigkeit des weiblichen Entrepreneurships endlich ihre verdiente Beachtung erlangt.


 

Der Autor
Ruth Imholz
Fachbeirat Firmengründung
Business Tools AG
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