
Durch die Brille eines Werbemenschen betrachtet, gleicht das Leben dem Beton: Es kommt drauf an, was wir draus machen! Und wer würde nicht gerne aus seinem Leben ein erfülltes, angenehmes, sinnhaftes, gesundes und glückliches Leben machen, mit dem er oder sie rundum zufrieden sein kann? Wenn das doch auch nur so einfach machbar wäre, wie es sich hinschreiben lässt! Die Realität sieht oft genug völlig anders aus. Immer mehr Menschen aus allen Berufs- und Tätigkeitsgruppen klagen über Stress, Hektik, Druck, Über- oder (genauso schlimm!) Unterforderung. Über das Gefühl, zwischen allen Stühlen, welche einem das Leben hinstellt, den Boden unter den Füssen zu verlieren. Und darüber, das eigene Leben nicht mehr gestalten, sondern allenfalls nur noch eher schlecht als recht verwalten zu können, es nicht mehr selbst zu steuern, sondern gesteuert, getrieben, gehetzt zu werden - die Liste beliebig zu verlängern, wäre kein Problem. Letzteres besteht vielmehr darin, diese Liste zu verkürzen. Und genau darum geht es beim Balanced Life Management: Es soll Ihnen helfen, den Einsatz Ihrer Ressourcen, wie z.B. Ihrer Lebensenergie, Ihrer Lebenszeit, Ihrer Talente, Ihres Engagements, Ihrer Gesundheit oder auch Ihrer Freiheit, so zu steuern, dass Sie in und mit Ihrem Umfeld und mit sich selbst im Einklang sind und glücklich leben können.
Wie funktioniert Balanced Life Management?
Auch wenn jeder Mensch und seine Lebenssituation anders ist, so lässt sich doch eine Art Grundmodell des Balanced Life Management wie in Abbildung 1 darstellen: Im Zentrum des Geschehens stehen Sie als Person - mit allem, was Sie sind und was Sie ausmacht: Ihre Ziele und Werte, Ihre Wünsche und Erwartungen, Ihre Gaben und Talente etc. Sie sind eingebunden in individuell unterschiedliche Lebenswelten: Familie, Freunde, Arbeit, Ihre Privat-Welt für die eigenen, nicht beruflichen Bereiche, die Sie mit niemandem teilen und Ihre Gesellschaftswelt, in der z.B. Partei- oder soziales Engagement, BusinessClub-Mitgliedschaft o.ä. ihren Platz haben.
Abbildung 1: Person und Lebensumfeld
Mit all diesen Welten herrscht ein reger Austausch. Alle haben Ihnen etwas zu geben. Zum Beispiel Geld, Sicherheit, Geborgenheit, Anerkennung, Sex, Macht, Liebe, Aufmerksamkeit, Status, Wohlbefinden oder Gesundheit. Im Gegenzug wollen aber auch alle etwas von Ihnen haben: Zeit, Aufmerksamkeit, Energie, Einsatz, Liebe, Zuwendung, Wissen, Talente, Fertigkeiten, Loyalität. Fügt man der Abbildung 1 diese Austauschbeziehungen hinzu, entsteht das Bild in Abbildung 2.
Abbildung 2: Balanced Life Management

Sehr schnell erkennt man, dass das Gesamtgebilde zwar "nur" aus einer Person und fünf Lebenswelten besteht, es aber dennoch ein Jongleursakt der Meisterklasse ist, bei all den Austauschbeziehungen das System im Gleichgewicht zu halten. Denn schliesslich sind die Ressourcen jedes Menschen endlich -weder Lebenszeit noch -energie noch Talente lassen sich beliebig reproduzieren und verteilen. Dagegen tendieren die Wünsche, Erwartungen und Wichtigkeiten seiner Umwelten - vielleicht auch seine eigenen - eher ins Unendliche. Als Konsequenz folgt daraus: Jeder Mensch muss haushalten mit seiner Energie, seiner Zeit und seinen anderen Lebensressourcen und sie so einsetzen und verteilen, dass sie möglichst lange möglichst viel "Gewinn abwerfen", also möglichst viel von dem Leben ermöglichen, dass zu führen er sich vorgenommen hat. Bleibt die Frage: wie macht man das?
Businesstools für die eigene Lebensführung
Als Unternehmensführer investieren Sie ganz selbstverständlich Zeit, Grips und Energie in Jahres-, Quartals- und Monatsberichte, um frühzeitig zu erkennen, wohin der Hase im Businessanzug läuft. Tun Sie das auch als Lebensführer? Einmal im Jahr in einem Geschäftsbericht Ihrer eigenen Lebens-AG sich selbst Rechenschaft ablegen - mit allem, was dazu gehört: Unternehmensziele, Rahmenbedingungen, Strategien, Entwicklung der einzelnen Lebens-Geschäftsfelder, Veränderungen und Zielanpassungen, Ausblick? Starten Sie damit als ersten Schritt auf dem Weg zu einem Leben im Gleichgewicht. Eine Kurzanleitung dazu finden Sie hier.
Lebens- oder zumindest Lebensabschnittsziele festlegen
Was wollen Sie wirklich? Für viele Menschen ist kaum eine Frage schwerer zu beantworten als diese. Und das hat nichts mit Unvermögen zu tun. Denn die "Grossen" Fragen sind immer die schwierigsten. Manche Philosophen haben ein Leben lang darüber gegrübelt, ohne zu einer klaren Antwort zu kommen. Deshalb dürfen wir uns getrost auf einem kleinen Umweg nähern: Fragen Sie sich, wie Sie sich mit 15 und mit 25 Ihr Leben vorgestellt haben und prüfen Sie, wo Sie im Vergleich dazu heute stehen. Ist das genau so wie wie Ihre damalige Vorstellung? Anders? Besser oder schlechter? Was würden Sie beibehalten, was korrigieren wollen? Und welche Möglichkeiten dazu gibt es heute? Wenn Sie die Grosse Frage in kleinere zerlegen, die sich leichter beantworten lassen, werden Sie feststellen, dass am Ende dennoch eine Aussage, ein Ziel steht.
Rahmenbedingungen nicht vernachlässigen
Bei alledem agieren Sie nicht im luftleeren Raum, sondern in einer Welt, von der Druck, Zwänge und (oft falsche) Erwartungen ausgehen. Die permanente Überforderung ist ein Lebensprinzip westlicher Gesellschaften im 21. Jahrhundert geworden: So müssen wir nicht nur ein erfolgreiches Berufsleben führen, sondern sollen dabei ein vorbildliches Ehe- und Familienleben haben, aussehen wie ein Filmstar (im Dienst), fit und gesund sein wie der sprichwörtliche Turnschuh, stets den neuesten Stand in Sachen Technik, Kultur und Gaumenfreuden auf Abruf im Kopf haben, mindestens einmal im Leben am New York Marathon unter den ersten 100 sein und dazu ein 1-stelliges Handicap bei mindestens 7-stelligem Kontostand haben?.
Dazu drei Tipps:
1.) Hören Sie in erster Linie auf sich und Ihre eigenen Wünsche und nicht auf irgendwelche allgemeinen Erwartungshaltungen, die Sie glauben, erfüllen zu müssen, nur weil sie gerade als Musts verkauft werden. Sonst enden Sie wie die tragischen Figuren in Martin Suters Business Class.
2.) Misstrauen Sie Erfolgsstories in den Medien, solange sie nicht die Hintergründe kennen. Vieles, was sich als eigenverantwortete Erfolgsgeschichte liest, fusst dann doch auf guten Beziehungen oder in der Familie liegenden Voraussetzungen. Und viele Manager des Jahres sind nach 2, 3 Jahren in der Bedeutungslosigkeit oder gar hinter Gittern verschwunden.
3.) Betrachten Sie die Kirschen in Nachbars Garten vor dem Hintergrund, dass es Leben immer nur Brutto gibt, niemals Netto. Und fragen Sie sich erst dann, ob Sie wirklich seines gegen Ihres tauschen wollen!
Geeignete Strategien finden
Im Grunde haben Sie in jeder unbefriedigenden Situation drei Optionen offen: a) Sie können die Situation akzeptieren wie sie ist. Das scheint vordergründig am einfachsten, bedeutet aber auch, damit aufzuhören, sich ständig über die Situation zu beklagen. Das braucht Disziplin und Selbstbehauptung. b) Sie können die Situation nach Ihren Vorstellungen verändern. Das braucht Mut, Kraft, oft viel Kommunikationsarbeit, Konfliktfähigkeit und Risikobereitschaft. c) Sie können aus der Situation aussteigen. Diese Option ist kein Freibrief, sich eingegangener Verantwortungen (z.B. gegenüber der Familie) durch Flucht (z.B. Scheidung) zu entziehen. Und Sie braucht ebenfalls Mut und Risikobereitschaft, etwa beim Stellenwechsel oder bei der Abgabe eines Ehrenamtes oder beim Ausstieg aus einer Sportgemeinschaft. Welche Option in welcher Lage am Besten greift, kann nur individuell entschieden werden.
Lebensumwelten ins Gleichgewicht bringen
Im individuellen Austarieren von Investments und Profits in den einzelnen Lebens¬bereichen liegt der Kern jedes Balanced Life Managements. Ein probates Hilfsmittel dafür kann der klassische Kontenrahmen aus Ihrer Buchhaltung sein. Das klingt zunächst verquer nach Bürogummi, Ärmelschoner und Emil in Hochform. Es wird aber schon seriöser, wenn die einzelnen Konten "Lebenspartner", "Kinder", "Eltern und Geschwister", "Firma", "Arbeitskollegen", "Freunde", "Sportclub", "Quartiersverein" etc, heissen und bei Soll und Haben solche Assets eingetragen werden wie "Liebe", "Versorgung", "Sex", "Einkommen", "Respekt", "Anerkennung", "Loyalität", "Gesundheit", "Gewinn" usw. Wie Ihre Konten und Ihre Assets heissen und wie Sie sie bewerten, das ist ganz individuell anpassbar. Und genau das macht den guten alten Kontenrahmen zu einem einfachen, aber wirkungsvollen Balancing-Werkzeug. Beim Versuch, Ihre persönlichen Life Balance-Konten aufzustellen und zu bewerten werden Sie zwei gravierende Dinge feststellen.
1.) Es ist gar nicht so leicht festzustellen, was einem wie wichtig ist. Aber wenn Sie´s getan haben, wird Ihnen klar, was Sie in Ihre "Lebensgeschäftsfelder" investieren und vor allem zurückbekommen. Kraftquellen und Energie-Absauger werden im Allgemeinen deutlich erkennbar. Jetzt liegt es an Ihnen, ggfs. die Prioritäten neu zu verteilen.
2.) Auf Dauer müssen Ihre Konten ausgeglichen sein. Sowohl der Höhe, als auch der Art nach. Wenn Ihnen Selbstständigkeit wichtig ist, kann Ihnen ein Sie gängelnder Chef noch so viel bezahlen - früher oder später werden Sie gehen. Wenn Ihrem Lebenspartner Nähe und Zuwendung wichtig sind, wird auch ein neuer Porsche dieses Bedürfnis nicht stillen.
Ziele ggfs. anpassen und Ausblick formulieren
Wenn Sie beim 2. Punkt Veränderungen angehen wollen, versuchen Sie diese nicht in allgemeinen Floskeln ("Mehr Zeit für die Familie") auszudrücken, sondern in einer konkreten Zielvereinbarung ("Keine Heimarbeit an wenigstens jedem 2. Wochenende"). Die Tricks und Kniffe aus Marco von Münchhausens Buch "So zähmen Sie Ihren inneren Schweinehund!" können dabei helfen. Prüfen Sie im Jahr darauf, was aus diesen Vereinbarungen geworden ist.
Fazit: Eigentlich ganz einfach
Der Schnellgalopp durchs Balanced Life Management zeigt: Das Leben ist ein Baustelle. Und zwar eine, die nie fertig wird. Dieser Zustand heisst Tod. Davor aber gilt es, das eigene Leben so zu gestalten, dass es (wieder) Spass macht, Erfolge bringt und man stolz drauf sein kann. In diesem Sinne: Auf eine lebens-werte Zukunft!