
Herr Beck, seit wann kann man bei Ihnen online einkaufen?
«Der Meissner Online-Bookshop www.meissner.ch ging nach einer einjährigen Testphase am 11. September 1998 ins Netz. Die von AZ online publishing erstellte erste Shop-Lösung wurde seither mehrmals überarbeitet und hinsichtlich Inhalten, Form und Funktionalität grundlegend renoviert. Ein weiterer grosser Relaunch ist auf Ende 2006 in Arbeit.»
Wer kauft Ihre Bücher online? Welches ist Ihre Online-Zielgruppe?
«Mit der Grossbuchhandlung in Aarau und den beiden Filialen in Brugg und Baden ist Meissner Bücher regionaler Marktführer im Aargau und Nummer sechs im Buchhandel der deutschsprachigen Schweiz. Mit dem Online-Bookshop bieten wir unseren Kunden einen zusätzlichen, zeitgemässen 24-Stunden-Service an. Firmenkunden, Schulen, Bibliotheken und eine wachsende Zahl privater Meissner-Kundinnen und -Kunden jeder Altersgruppe nutzen unseren Online-Service. Unsere Stärken sind: Kenntnis der regionalen Nachfragebedürfnisse, individuelle Kundenbetreuung (kein Widerspruch!), rasche Lieferung oder Abholmöglichkeit
in einer unserer Filialen.»
Welche Sparten von Büchern werden online bestellt?
«22 Prozent aller bestellten Bücher sind der Warengruppe Belletristik zuzuordnen dicht gefolgt von Titeln aus Wirtschaft und Informatik. Je 7,5 Prozent sind Kinder- und Jugendbücher und Psychologietitel gefolgt von Technik und weiteren Sachbüchern.»
Wie hat sich der Online-Verkauf prozentual im Vergleich zum Ladenverkauf entwickelt?
«Die Zuwachsraten im Online-Geschäft sind gut doppelt so hoch wie im stationären Verkauf. Die Verkaufsimpulse, die unsere Website zudem zugunsten unseres Ladenverkaufs auslöst, sind nicht messbar, dürfen aber nicht unterschätzt werden.»
Was erwartet das Unternehmen Meissner Bücher generell vom Internetgeschäft?
«Der E-Commerce nimmt generell einen immer grösseren Stellenwert, auch im Kunden- Endgeschäft, ein. Vor allem eine jüngere Konsumentengeneration nutzt die Vorteile dieses Vertriebskanals, gerade auch beim Kauf von Medien. Wir verstehen unseren Webshop als zusätzliche «Filiale» mit verlängertem 24-Stunden-Service. Meissner-Kunden sollen, je nach momentanem Bedürfnis, in einem unserer Läden oder auch online in unserem Angebot stöbern können und bedient werden.»
Sie haben in Aarau an der Bahnhofstrasse kürzlich einen neuen, grosszügigen Buchladen eröffnet. Warum ist es kein Widerspruch, Printmittel erfolgreich mit elektronischer Kommunikation zu verkaufen?
«Vertriebskanal (Ladengeschäft, Webshop) und Produktangebot (Bücher, Medien) sehen wir voneinander unabhängig. Zum Beispiel: Eine Firma, welche ein bestimmtes Fachbuch benötigt, wählt den bequemsten und günstigsten Weg ? vermutlich den elektronischen (Webshop, E-Mail). Wer jedoch einen schönen Bildband als Geschenk sucht, wird bestimmt in der Buchhandlung besser bedient sein. Bücher haben nicht nur einen Informationsgehalt, sondern auch ästhetische und haptische Qualitäten. Dies bestätigt uns auch die Tatsache, dass dieselben Kundinnen und Kunden, welche unseren Webshop nutzen, uns auch sehr oft in unseren Läden besuchen.»
Wo sehen Sie die Grenzen des Online-Buchhandels?
«So wie das Fernsehen den Kinofilm und das Kino das Theater nicht gänzlich ersetzen können, kann der Online-Einkauf das Einkaufserlebnis nicht vollständig nachbilden. Wohl werden die virtuellen Technologien weiterentwickelt werden, aber das Bedürfnis, die Bücherwelt «live», gemeinsam mit anderen Lesebegeisterten und im Kontakt mit Leseprofis in einer Buchhandlung zu erleben und zu entdecken, wird weiter bestehen bleiben.»
Welche Strategie verfolgen Sie im Konkurrenzkampf mit grossen Mitspielern wie Amazon?
«Nähe zum Kunden (wenngleich dies in der virtuellen Welt des Internets paradox klingt) ist eine unserer Stärken. Wir können als regionale Anbieter einen Leistungs- und Vertrauensbeweis vorweisen, man kann uns direkt ansprechen, und wir reagieren persönlich auf individuelle Wünsche. Wir richten unsere Leistungen und unser Angebot konsequent auf die Bedürfnisse der Leser/- innen und Käufer/-innen in unserem erweiterten Einzugsgebiet aus und nicht auf den globalen Markt.»
Planen Sie künftig auch Musik-CDs und DVDs online anzubieten?
«Musik-CDs sind derzeit kein Thema. Hingegen prüfen wir den Ausbau unseres Mediensortiments rund um Filme auf DVD.»
Wie sieht die Zukunft des elektronischen Buchhandels aus?
«Bei den Globalplayers werden wohl einige wenige ?Giganten? den virtuellen Markt künftig weltweit unter sich aufteilen, ausgestattet mit riesigen Marketing- und Entwicklungsbudgets. Daneben werden aber weiterhin viele Nischen-Players bestehen können, die Special Interests oder regionale Bedürfnisse abdecken ? darunter Webshops leistungsfähiger Buchhandlungen.»