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Keine Wirkung ohne Ursache

Die meisten Anstrengungen, Lebensenergie und -freude zu erhöhen, sind kurzfristig und scheitern. Wenn sie nicht auf der Ursachenebene ansetzen, beseitigen und lindern sie bestenfalls Symptome. Jedes Verhalten, ob wir nun stressen und ins Burnout rennen, zu dick, krank oder unglücklich werden, hat eindeutige Ursachen. Wenn Sie etwas verändern wollen, müssen Sie bei den Ursachen ansetzen.

Das Thema Lebensenergie und -freude ist komplex, weil wir Menschen komplex sind. Dennoch plädiere ich für eine eher schlichte und einfache Betrachtung dieses Themas und möchte in diesem Artikel den wichtigsten Punkt behandeln: Wie kann ich nachhaltig und wirkungsvoll meine Lebensenergie und -freude steigern und wo muss ich dafür ansetzen? Angenommen, Sie leiden seit längerer Zeit unter Rückenschmerzen. Sie gehen zum Arzt und er kann am Rücken nichts feststellen. Er verordnet Ihnen möglicher Weise Massagen und Sie erhalten Schmerzmittel. Die Schmerzen lassen nach, aber nach zwei Wochen haben sind sie wieder da. Wieder dasselbe Spiel: Arzt, Massagen, Schmerzmittel. Nach einem langen Leidensweg haben Sie das Glück, dass ein anderer Arzt die wirkliche Ursache für Ihr Rückenleiden aufdeckt. Er stellt eine falsche Fussstellung fest. Mit Einlagen wird diese korrigiert und Sie sind die Rückschmerzen los. Das heisst nichts anderes als: "Man kann ein Problem nie auf der Ebene lösen, auf der es auftritt."

Viele Massnahmen zur Erhöhung der Lebensenergie und -freude scheitern oder wirken nur kurzfristig, weil - wie im vorhergehenden Beispiel - die Symptome behandelt werden. Wenn Sie sich seit längerer Zeit müde, gereizt und ausgebrannt fühlen, dann erleben Sie zu viel negativen Stress. Verursacht wird dieser z.B. durch Überforderung und Dauer-Druck auf Arbeit. Sie können es sich nicht leisten, das Arbeitspensum zu reduzieren, weil dann Ihr Job und Ihre Karriere gefährdet sind und das stresst Sie zusätzlich. Sie bewegen sich in einem Teufelskreis. Was tun Sie nun? Symptombehandlung! Sie schwitzen sich im Fitnessclub Adrenalin und Cortisol (beides körpereigene Stresshormone) aus dem Leib? Sie lassen Ihren Körper im Wirlpool herumschütteln? Sie nehmen hier und da ein aufputschendes Mittelchen für den Tag und ein schlafförderndes für die Nacht? Für eine kurze Zeit fühlen Sie sich wieder top-fit, aber Sie verändern gar nichts. Weil Sie die nur die Symptome Müdigkeit, Gereiztheit und "Ausgebrannt-sein" behandeln.

Die Frage ist vielmehr: "Was sind die wirklichen Ursachen für die Überforderung und den Dauerstress?" Und: "Warum lassen wir diesen Zustand überhaupt zu?" Um es auf den Punkt zu bringen: Wir werden einerseits durch innere Verhaltensmuster und andererseits durch äussere Zwänge dazu getrieben, in einem quälenden und selbst-zerstörerischen Zustand zu verharren. Die äusseren Zwänge lassen sich fast nie verändern, die eigenen inneren Verhaltensmuster sehr wohl. Und wenn wir einen Zustand verändern wollen, müssen wir uns verändern.
Die eigenen Verhaltensmuster sind unter anderem Überlebens-Strategien1, die wir uns als Kind angeeignet haben, um Anerkennung zu erhalten. Dafür mussten wir perfekt sein, alles schnell oder es allen recht machen. Damals haben diese Strategien funktioniert. Heute stehen sie (wir) uns eher im Wege, ein entspanntes Leben zu führen, vor allem, wenn wir sie übertreiben. Zu viel Perfektionismus führt dazu, dass wir es vermeiden, Fehler zu machen und diese auch bei anderen nicht tolerieren. Schnell zu sein, ist heute Notwendigkeit, aber die Folge davon ist ein Lebensrhythmus, der Energie raubt. Und es allen recht machen können wir schon gar nicht.

Was können Sie nun verändern und wie können Sie es tun? Es geht nur über den einen Weg, der in der Tat anstrengend ist und für welchen an dieser Stelle nur einige Ideen diskutiert werden können. Es ist die Auseinandersetzung mit den eigenen Antreibern, mit dem "Warum" für das eigene Verhalten.
Nehmen wir ein konkretes Beispiel. Sie sind es gewohnt, immer schnell zu machen. Ihr Terminkalender ist randvoll. Sie erscheinen meistens "just in time" zu Terminen, aber oft auch ein paar Minuten später. Sie denken schnell und handeln noch schneller. Sie werden unruhig, wenn es ruhig wird. Ihre Arbeitsumgebung gibt Ihnen in Ihren Handlungen recht (die Familie wahrscheinlich weiniger). Sie haben Erfolg, weil Sie viel mehr in kürzerer Zeit erledigen als andere - scheinbar. Wenn Sie bereits Müdigkeit, Erschöpfung und Unlust spüren, sind Sie vielleicht immer noch schnell, aber nicht mehr effizient. Früher oder später verlieren Sie mit der Energie die Leistungsfähigkeit.

Wenn ihre Strategie, immer schnell zu machen, versagt und Ihnen Lebensenergie raubt, ist es an der Zeit, sie zu hinterfragen und sich einen Spiegel vorzuhalten. Bereits über die Auseinandersetzung mit dem Thema lösen Sie einen Prozess aus, der zu den ersten Veränderungen führen kann. Stellen Sie sich Fragen, wie z.B. : "Ist dieses Verhaltensmuster heute noch gerechtfertigt?", "Wie wirkt es auf andere?", "Welche Vor- und Nachteile bringt das Fortsetzen oder beenden dieses Verhaltensmusters?" Und lassen Sie es nicht beim Fragen, sondern probieren Sie es auch aus. Nicht das Können ist das Thema. Es ist das Wollen und Tun! Überprüfen Sie dabei auch die persönliche Gewinn-Verlust-Bilanz. Wenn Sie etwas verändern wollen, geben Sie etwas auf und gewinnen etwas anderes. Diese Rechnung muss aufgehen, sonst passiert gar nichts. Was soll mit der Veränderung von eingefleischten Verhaltensmustern besser und anders werden?

Es verhält sich übrigens ähnlich mit dem Abnehmen, dem "Aufhören-zu-rauchen" oder sich mehr zu bewegen. Alle schlechten Gewohnheiten, die zu einer Verminderung der Lebensenergie und -freude führen, haben ganz konkrete und individuelle Ursachen. Dick werde ich, wenn ich zu viel esse und mich zu wenig bewege. Aber warum esse ich zu viel? Zu viel essen ist, wie rauchen auch, eine Kompensationshandlung. Ich kompensiere einen "Verlust", einen Mangel in mir, der mit Hunger gar nichts zu tun hat. Höchstens der "Hunger" nach dem Leben. Nach einem Leben, das zu mir passt und nicht inneren Zwängen und äusseren Normen angepasst ist. Dieses ist ein weiteres Thema, welches im Rahmen "mehr Lebensenergie und -freude" eine grosse Bedeutung hat und in einem der nächsten Artikel behandelt wird.

1Methode der Transaktionalen Analyse, Hablitz und Stingelin 1990

Der Autor
Meike Bütikofer
Fachbeirat: Work-Life-Balance
Bütikofer AG
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